Elsass 2010

Allgemeines: Da diese Reise unter erschwerten finanziellen Bedingungen stattfand, sind die genannten Hotels mit einer Ausnahme laut der Einteilung in der Landeskategorie mit zwei Sternen versehen und nicht rollstuhlgerecht. Auch hier sind gute Französischkenntnisse von unschĂ€tzbarem Wert, um im Vorfeld Erkundigungen einzuholen und Details abzustimmen. In allen Hotels war das Personal sehr hilfsbereit, wobei sich die Hotels der Zwei-Sterne-Kategorie eher durch ein familiĂ€res (und damit gefĂŒhlt herzlicheres) Auftreten hervortaten, wĂ€hrend beim „Aufstieg“ in die Drei-Sterne-Region der Eindruck eines routiniert-geschĂ€ftsmĂ€ĂŸigen Auftritts entstand. Bis auf eine Ausnahme waren die Zimmer groß und gemĂŒtlich. Nur fĂŒr einen Rollstuhl dĂŒrfte es in den Zimmern zu eng werden. FĂŒr jene, die es noch fĂŒr kurze Strecken mit Gehhilfen schaffen, empfiehlt sich die Bitte an das Personal, abends den Rollstuhl an der Rezeption deponieren zu dĂŒrfen und dann fĂŒr sein Zimmer die Gehhilfen in Empfang zu nehmen, wĂ€hrend man vor den Stadterkundungen den Rollstuhl wieder im Austausch fĂŒr die Gehhilfen in Empfang nimmt.

Um die Reise im Youtube-Video nachzuvollziehen, klicken Sie bitte hier.

1. und 2. Tag (11.05.2015/12.05.2010): Anfahrt nach Haguenau ĂŒber die als Töpferorte bekannten Dörfer Soufflenheim und Betschdorf. Wer mag, kann zu nach oben offenen Preisen nette Souvenirs erwerben, wobei in den meist inhabergefĂŒhrten GeschĂ€ften und LĂ€dchen meist sehr gerne geholfen wird, auch die Stufe am Eingang zu ĂŒberwinden. Personen mit eingeschrĂ€nkter RumpfstabilitĂ€t sollten sich dabei lieber auf GeschĂ€fte konzentrieren, die nur eine Stufe am Eingang haben. Danach mĂŒssen Sie nur noch wissen, welchen Stil Sie bevorzugen. In Soufflenheim ist die Ware bunter bemalt, in Betschdorf herrscht eher der rheinlĂ€ndische Stil mit blauem Grund vor.

Haguenau selbst wird zu Unrecht oft unterschĂ€tzt, da es im Zweiten Weltkrieg (oder wie die Franzosen sagen, „La Grande Guerre“) starke Zerstörungen erleiden musste. Zu Zeiten des Heiligen Römischen Reiches war Haguenau zusammen mit anderen elsĂ€ssischen reichsunmittelbaren StĂ€dten (z.B. Colmar), die ansonsten nur dem Kaiser unterstellt waren, Teil des so genannten Dekapols, also eines StĂ€dtebunds. Obwohl Haguenau fĂŒr das Elsass als Stellvertreter des Kaisers agierte, hatte die Stadt keine besonderen Vorrechte. Am heutigen Heimatmuseum allerdings  (nicht rolltuhlgerecht)sind auch heute noch die alten Wappen vieler elsĂ€ssischen StĂ€dte zu sehen, was die Bedeutung der Stadt unterstreichen sollte-

Mein erster großer Besuch galt allerdings der Kirche, die in der namensgebenden rue St Georges lag, in der sich auch mein Hotel befand. Rollstuhlgerecht ist sie zwar leider nicht zu erreichen (ich  benötigte die Hilfe zweier ElsĂ€sser) aber zumindest sehr interessant. Ich hatte auch dass GlĂŒck, frĂŒh am Morgen einer kleinen Andacht fĂŒr Kinder beizuwohnen, nach welcher der Pfarrer mir noch einiges ĂŒber die Kirche erzĂ€hlte. Beispielsweise wies er mich auf das so genannte „Himmelfahrtsloch“ hin, das mir in spĂ€teren Jahren ĂŒbrigens auch in anderen Kirchen zumindest im sĂŒddeutschen Raum auffallen sollte. Zu Christi Himmelfahrt hat man selbige frĂŒher im Gottesdienst dadurch plastisch dargestellt, dass man einen Ministranten an Seilen zu besagtem Himmelfahrtsloch hochzog.

Die Innenstadt selbst hat man in einem sehr gemĂŒtlichem Tempo locker innerhalb eines Tages durchquert. Sie ist zum allergrĂ¶ĂŸten Teil verkehrsberuhigt sowie FußgĂ€ngerzone. Daher ist sie auch sehr rollstuhlfreundlich gepflastert.Nicht verpassen sollte man, wie auch ĂŒberall sonst im Elsass, die kleinen Seitenstraßen (schöner Innenhofschmuck) und die erhaltenen Teile der Stadtbefestigung, die idyllisch entlang eines Flussarms liegen.

 

3.-7. Tag (13.-17.05.2010): Straßburg.

Die Kapitale des Elsass und einen der Touristenmagnete schlechthin erreichte ich an einem verregneten Tag nach einem kurzen Zwischenstopp in der Ortschaft Geudertheim, im Prinzip ganz hĂŒbsch, im Grunde allerdings ein elsĂ€ssisches Straßendorf.

Nun also Straßburg, das Symbol fĂŒr das Elsass schlechthin. Im Winter herrscht dort Hochsaison, weil dann die Franzosen busladungsweise auf den Weihnachtsmarkt (oder den anderer elsĂ€ssischer Orte) strömen, denn in anderen Regionen Frankreichs kennt man diese Art, die Vorweihnachtszeit zu zelebrieren (und meist leider auch zu verkitschen) nicht. Ganze Busladungen aus Deutschland wiederum werden auf TagesausflĂŒgen hierhergefahren, um sich an afrikanischen HĂ€ndlern und so manchem verhinderten Taschendieb vorbei ins MĂŒnster schleusen zu lassen und danach höchstens noch eine halbe Stunde Zeit zur freien VerfĂŒgung zu haben, bis der Bus die gesamte Reisegruppe zu einem Ausflugslokal an einem anderen Ort karrt. Und als wĂ€re das noch nicht genug, fĂ€llt etwa einmal im Monat eine Woche lang das EuropĂ€ische Parlament von BrĂŒssel aus in Straßburg ein, so dass der Versuch, auch in der weiteren Umgebung ein Hotelzimmer zu bekommen, in dieser Zeit ein aussichtsloses Unterfangen ist.

Wenn Sie hier allerdings nicht mehr weiterlesen oder zu meiner nĂ€chsten Etappe springen, werden Sie Straßburg nicht gerecht, denn auch und gerade bei einem mehrtĂ€tigen Aufenthalt dort entfaltet Straßburg erst seinen Reiz, zumindest wenn man die banlieues außen vor lĂ€sst, bei denen an manchen Tagen gezĂ€hlt wird, ob dieses Jahr mehr oder weniger Autos brennen als am Tag davor. Und ja, man kann sogar sein Auto auf einem öffentlichen Parkplatz an einer Allee stehen lassen, ohne dass es gestohlen oder durchwĂŒhlt wurde. Einzig um den Taubenkot muss man sich in diesem Fall kĂŒmmern.

Ausgangspunkt aller Rollstuhltouren in Straßburg war die Tramstation „Homme de fer“, nur wenige Stationen von meinem Hotel entfernt (die haltenden Straßenbahnen an der Station „UniversitĂ©“  konnte ich sogar vom Toilettenfenster aus beobachten). Der „Eisenmann“ bezieht sich auf den an einer an der gleichnamigen Apotheke angebrachten Ritterfigur.

Von dort sind es nur wenige Rollminuten bis zum MĂŒnster. Folgen Sie einfach dem immer dichter werdenden GedrĂ€nge, um erst einmal in die umliegenden Gassen zu gelangen. Auch wenn man sich nicht portrĂ€tieren lĂ€sst, macht es doch großen Spaß, den PortrĂ€tmalern bei der Arbeit zuzusehen.

Schließlich hat man es auf den MĂŒnsterplatz geschafft. Bevor Sie allerdings an den afrikanischen StraßenhĂ€ndlern (und potentiellen Taschendieben) vorbeistĂŒrmen, nehmen Sie sich unbedingt die Zeit, die unterschiedlichen Bildhauereien an der Außenfassade zu betrachten, die allerhand biblische Szenen darstellen.

Von der Warnung vor Taschendieben und vor der anfĂ€nglichen Menschenmenge, die sich durch das MĂŒnster zu schieben scheint, sollten Sie sich nicht einschĂŒchtern lassen. Das MĂŒnster ist sehr groß, so dass sich die Massen schnell verlaufen. Und selbstredend kommt man ĂŒber einen Seiteneingang auch ohne Stufen in das MĂŒnster, die Steigung der Rampe ist auch fĂŒr einen durchschnittlichen Rollstuhlfahrer gut alleine zu bewĂ€ltigen.

Alleine von innen ist dieses Bauwerk sehr imposant. Kein Wunder, galt das MĂŒnster zumindest bis 1874 mit 142 Metern Höhe als das höchste Bauwerk der Menschheit; anschließend lief ihm das etwa 20 Meter höhere Ulmer MĂŒnster den Rang ab.

Bei nahezu jedem Wetter bietet sich eine Bootsfahrt auf der Ill an. NatĂŒrlich ist es, wie bei mir, wesentlich schöner, wenn es trocken bleibt, aber selbst bei Regen braucht man keinen Regenschirm, denn das (Stand 2010) einzige barrierefreie Ausflugsboot ist durchgĂ€ngig ĂŒberdacht. Gestartet wird an der Anlegestelle am Palai Rohan, benannt nach einem weitverzweigten französischen Adelsgeschlecht, das im 17. und 18. Jahrhundert gleich vier KardinĂ€le und damit Straßburger FĂŒrstbischöfe stellte. Gleichzeitig galt ĂŒbrigens durch besondere VertrĂ€ge mit dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation die Straßburger Uni als deutsch, so dass Goethe kurzzeitig bei seinem Aufenthalt im französischen Straßburg dennoch in Deutschland studierte.

Ein besonderes Erlebnis hat man gleich zu Beginn, wenn das Boot „La petite France“ (das alte Gerberviertel, im elsĂ€ssischen aber auch gerne „das klane Elsass“ genannt – so heißt zumindest ein Restaurant im Viertel) passiert. Um das bewerkstelligen zu können muss ein BrĂŒckenkopf zur Seite geschwenkt werden, weil das Boot sonst nicht unter der BrĂŒcke durchpasst. Ansonsten sieht man auch vieles, wofĂŒr man sich ansonsten die Reifen heißfĂ€hrt, unter andere die im Vergleich vor 10 Jahren deutlich vergrĂ¶ĂŸerten und reprĂ€sentativeren Sendezentrale des deutsch-französischen Kulturkanals ARTE, das jetzt nahe des EuropĂ€ischen Parlaments direkt an der Ill liegt.

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Dem „Petite France“ widmete ich ĂŒbrigens den nĂ€chsten Tag. Den Namen bekam das Viertel ĂŒbrigens nicht von den Franzosen sondern von der Tatsache, dass im Gerberviertel ein MilitĂ€rhospital lag, in dem die Soldaten vorzugsweise ihre Syphilis („Franzosenkrankheit“) behandeln ließen. NatĂŒrlich ist das Gerberhaus (Maison des Tanneurs) das Postkartenmotiv schlechthin, allerdings gibt es noch viel mehr zu entdecken. Zugegebenermaßen habe ich auch  viel Zeit im GesprĂ€ch mit einem Maler aus Metz verbracht, der dort regelmĂ€ĂŸig seine Stadtansichten aus Straßburg verkauft hat.

 

 

 

La PĂ©tite France

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das nahegelegene Heimatmuseum ließ sich leider (wie bei vielen Heimatmuseen in Deutschland auch) leider nicht besichtigen (große Stufen am Eingang), aber  beim Stadtmuseum nahe des Palais Rohan sah es wieder besser aus. In einer Dauerausstellung und ihrem gut produzierten Audioguide lĂ€sst sich insbesondere die Stadtgeschichte sehr gut nachvollziehen.

In meinem Fall wurde dieser Stadtrundgang allerdings durch den LĂ€rm von DudelsĂ€cken unterbrochen, die gerade die Straßen zum MĂŒnster hinaufzogen. Wie sich herausstellte, war ich in die Dudelsackparade des Festivals „Euroceltes“ geraten, das alles zwei Jahre in Straßburg stattfindet, folglich findet das nĂ€chste Festival 2016 statt.

Jedenfalls war dem Ereignis deutlich anzumerken, dass es keine typisch touristische Veranstaltung war. Die meisten Gruppen kamen aus  Frankreich, aber ich habe auch einige wenige Gruppen aus Deutschland, dem spanischen Baskenland und der Schweiz ausmachen können. Auf dme MĂŒnsterplatz, wo sich alle Gruppen versammelt hatten, kam ich mit einer Frau ins GesprĂ€ch, die fĂŒr ihren Sohn in einer der Gruppen eine Ersatzpfeife in Bereitschaft hielt. Von ihr erfuhr ich auch, dass es am nĂ€chsten Tag zum Abschluss nochmal im Park im Europaviertel einen Wettbewerb in verschiedenen Kategorien geben sollte. Eine weitere ÜberprĂŒfung ĂŒber das Hotel ergab, dass der Eintritt frei war.

Nachdem ich das EuropĂ€ische Parlament ohnehin nur von außen sehen konnte (ich hĂ€tte mich selbst nach Anmeldung lediglich einer bereits bestehenden Gruppe anschließen können, ansonsten nur in den Sitzungswochen, was aber ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wĂ€re, weil man dann nĂ€mlich in Straßburg und Umland kein freies Hotelzimmer mehr finden wird. Übrigens. Selbst von der vom touristischen Kern weiter entfernten UniversitĂ€t brauchte es noch ĂŒber eine Viertelstunde mit der Straßenbahn, die ĂŒbrigens vollkommen barriere- und stufenfrei ist. Öffentlichkeitswirksame Proteste von InteressenverbĂ€nden können sich daher durchaus lohnen.

Im Morgenlicht wirkt alles besonders reizvoll, nur muss man aufpassen, nicht von einem der zahlreichen Jogger ĂŒberrannt zu werden. Beim Warten auf den ersten Wettbewerb im Park heißt es Lauern, wo ĂŒberall i Park verteilt die ersten Kandidaten ihre StĂŒcke ĂŒben und sich darĂŒber wundern, dass die Störche bei dem HöllenlĂ€rm nicht fluchtartig ihre Nester verlassen. Der Wettbewerb selbst ist eine Klasse fĂŒr sich. Ein echter Schotte im Schottenrock als Wertungsrichter, eine erwartungsvolle Menge, und bei einem der Kandidaten ein unsauberer Ton, weil eine der Pfeifen nicht richtig sitzt. Der gestrenge Wertungsrichter notiert dies sofort auf seinem Bogen. Aber neben einem Gewinnwe gibt es in jeder Kategorie spĂ€ter auch einen second prize und einen „Trostpreis“ (auch im englischen Original der Preisverleihung durch besagten schottischen Wertungsrichter,)

Das Wilhelminische Viertel, das zu Zeiten des Deutschen Kaiserreiches entstand, war fĂŒr mich allenfalls eine kurze Stippvisite wert, bevor es zu meiner nĂ€chsten Etappe weiterging.

 

17.05.-18.05.2010: Séléstat

Diese nĂ€chste Etappe lautete auf SĂ©lĂ©stat (deutscher Name: Schlettstatt); wenn es nach den ReisefĂŒhrern fĂŒr Durchschittstouris ginge, wĂ€re es ĂŒberwiegend eine Industriestadt, die allenfalls einen Zwischenstopp wert ist. Geschichtlich ist sie jedoch von höchster Bedeutung, verwahrt doch die Bibliothek das Ă€lteste Zeugnis der deutschen Sprache, was die Teilung des Kaiserreiches Karls des Großen in ein Westfrankenreich (in etwa das heutige Frankreich)und die Ostfranken besiegelte, noch dazu das erste Dokument in einer Sprache, die dem Deutschen schon sehr nahe kommt.

Als Besucher der Stadt wird man sich ĂŒbrigens entscheiden mĂŒssen: Entweder man besucht sie am Dienstag, dem Markttag, dann hat allerdings die Humanistische Bibliothek geschlossen. Oder man nimmt einfach jeden anderen Tag und riskiert dann, sich die Innenstadt mit nicht gerade langsam fahrenden Autos zu teilen. Daher war ich froh, mich fĂŒr den Markttag entschieden zu haben. Als ich dort eintraf, hĂ€tte ich mir sogar frischen Spargel kaufen können. Ich beließ es jedoch bei Honig und bekam dabei so nebenbei noch einen Tipp, den ich bei der nĂ€chsten Etappe mit Ihnen teilen möchte.

Durch den Markt kommt man ĂŒbrigens ganz gemĂŒtlich, weil der ĂŒberwiegende Teil  der Innenstadt asphaltiert bzw. allenfalls leicht gepflastert ist. Die alles ĂŒberragende Église St-Georges lĂ€sst sich prima auch ohne fremde Hilfe erreichen, ist von innen jedoch sehr dunkel und schlicht.

Auf dem Weg nach SĂ©lĂ©stat bietet sich unbedingt ein Zwischenstopp an der ehemaligen Bendektinerabtei von Ebersmunster. Vom mittelalterlichen Bauwerk steht nichts mehr, allerdings glaubt man sich in Form und Ausgestaltung der Kirche eher in die Alpen versetzt, da die Kirche bis 1727 von Tiroler KĂŒnstlern und Architekten wieder aufgebaut wurde.
Selbst wenn man sich mit dem Navi fĂŒhren lĂ€sst, stĂ¶ĂŸt man eigentlich direkt auf den Parkplatz, und auch in die Kirche hinein sowie in der Kirche selbst kann man sich teils ĂŒber Rampen ohne fremde Hilfe fortbewegen. Innen erschlĂ€gt einen die Pracht des Barock, aber es lohnt sich dennoch,zumal man oft das GlĂŒck hat, sich alleine in der Kirche zu befinden (es sei denn natĂŒrlich, es werden Konzerte veranstaltet).

 

Sollte es hernach auf den Weg nach Colmar gehen, ignorieren Sie am Besten das Navi, dass Sie auch bei der Option „Autobahnen /Mautstrecken vermeiden“ auf eine Schnellstraße fĂŒhren will, die sehr voll und landschaftlich nicht gerade besonders reizvoll ist. In SĂ©lĂ©stat hatte ich von den Imkern, die ihren Honig verkauften, fĂŒr meinen Weg dorthin die elsĂ€ssische Weinstraße ĂŒber Bergheim zu nehmen. Es lohnt sich wirklich – nicht nur, weil man dann gemĂŒtlich durch die Weinberge zuckelt, sondern  auch durch das kleine Örtchen Bergheim fĂ€hrt. Das Pflaster verlangt einem einiges ab, aber da es dort eben ist, lĂ€sst es sich mit viel Geduld auch alleine bewĂ€ltigen. Leider mĂŒssen Autos auf dem Weg nach Colmar dann auch mitten durch den Ort fahren.

 

Hat man es dann nach Colmar selbst geschafft, ist eigentlich der Rest ein Kinderspiel. Dumm nur, wenn einem am Tag nach der Ankunft das Wetter mit Dauerregen einen Strich durch die Rechnung macht. Das berĂŒhmte MusĂ©e Unterlinden mit dem Isenheimer Altar von Mathias GrĂŒnewald lĂ€sst sich fĂŒr alleinreisende Rollis leider nur teilweise besichtigen. Den Altar selbst kann man sehen, weil er im Erdgeschoss und komplett ebenerdig erreichbar ist. Das Museum befindet sich in einem umgebauten Kloster, und der Altar wiederum vom Grundriss her vermutlich in der ehemaligen Klosterkirche. Die anderen Stockwerke bleiben verschlossen, da es keine AufzĂŒge vorhanden sind und das Treppenhaus zu eng sowie die Treppen zu gewunden, um einen Rollstuhl sinnvoll transportieren zu können.

Teilweise sind die Straßen gepflastert, teilweise jedoch, vor allem in der FußgĂ€ngerzone, mit Betonplatten versehen. Das so genannte Köpfehaus (Maison des TĂȘtes) liegt auf vergleichsweise ebener Strecke. Es trĂ€gt seinen Namen durch die vielen KĂ¶ĂŒfe an der HĂ€userfassae, die von Auguste Bartholdy stammen, jenem Bildhauer, der auch die Bronzestatue der New Yorker Statue of Liberty schuf.

Eine wichtige Sache habe ich dabei natĂŒrlich noch vergessen: Ich hatte mein Lager im zumindest fĂŒr FußgĂ€nger sehr empfehlenswerten Hotel Turenne aufgeschlagen, das direkt ans Fischerviertel und „Klein-Venedig“ grenzt. Mein Zimmer lag vom Fahrstuhl aus am anderen Ende des Ganges in einem gemĂŒtlichen und frisch renovierten Dachzimmer. Einziger Wermutstropfen: Ein Rollstuhl passt nicht in den Aufzug, und am Eingang zum Hotel gibt es eine grĂ¶ĂŸere Stufe. Da dort aber zu nahezu jeder Tageszeit irgendjemand vor der EingangstĂŒr steht, lĂ€sst sich auch fĂŒr einen Alleinreisenden schnell Hilfe finden. Das Personal ist auch bei Hochbetrieb stets sehr freundlich und hilfsbereit, und dort ist es mir am Abreisetag sogar passiert, dass der Hotelmanager persönlich mir den Koffer zum Auto getragen hat.

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Drei Tipps fĂŒr Tagestouren von Colmar aus:

 

  • Die Haut-Koenigsbourg: Unter dem Deutschen Kaierreich restauriert, ist die Burg eine der Attraktionen im Elsass schlechthin. Zu jener Zeit wurden umfangreiche Restaurierungsarbeiten vorgenommen, von denen auch die franzöische französische Kulturreise-Sendung „Des racines et des ailes“ ausfĂŒhrlich berichtet hat. Die Anfahrt erfolgt ĂŒber eine serpentinenreiche Straße, und selbst nach den RollstuhlfahrerparkplĂ€tzen gibt es noch eine grĂ¶ĂŸere Strecke bis zur Burg zurĂŒckzulegen. Es geht steil bergauf, und der letzte Teil ist noch dazu auf Waldboden zurĂŒckzulegen, was zusĂ€tzliche Bremswirkung hat. Ohne Hilfe ist das nicht zu schaffen. Außerdem kommt man nur in den Innenhof, so dass es von der Burg selbst nicht viel zu sehen gibt. Man kann sich allerdings einen Film anschauen, der sehr viel von den RĂ€umlichkeiten zeigt.
  • RibeauvillĂ© (Bild): Nicht ganz so ĂŒberlaufen wie das benachbarte  Riquewihr (und auch  nicht ganz so steil) lohnt dieses Dorf einen ganztĂ€tigen Aufenthalt. Kurzentschlossene sollten sich unbedingt zum Pfifferdaj, dem Pfeifertag, einfinden. Dieses Jahr (2015) findet er vom 5. bis 6. September statt. Höhepunkt ist der Umzug am Sonntagnachmittag. Der Pfeifertag rĂŒhrt von seinem Namen daher, dass die Burgherren von RibeauvillĂ© in dem von ihnen gegrĂŒndeten Ort die Spielleute zur Zunft der Pfeifer zusammenfasste. Die Hauptstraße ist zwar stark gepflastert, jedoch weitgehend eben. In den Seitenstraßen könnte es mit den Steigungen alleine problematisch werden.
  • Neuf-Brisach: Schon etwas nĂ€her an der deutschen Grenze gelegen lebt der Ort von den Festungsanlagen von Vauban, der unter dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. aktib war. FußgĂ€nger können auf den Festungsanlagen entlanglaufen. Rollstuhlfahrer haben allerdings einen schweren Stand. Kaum ein BĂŒrgersteig ist abgesenkt, und wenn das Rathaus geschlossen ist, ist auch die Rollstuhlfahrertoilette am Rathaus  nicht zugĂ€nglich.