W├╝rzburg - altehrw├╝rdige Residenzstadt mit Licht und Schatten (verfasst am 9.Mai 2016)

Leider muss ich vor dem eigentlichen Bericht einen wichtigen Punkt vorausschicken. Der geneigte  Rollstuhlfahrer, der es auch noch wagt, alleine im Auto unterwegs zu sein, wird in W├╝rzburg trotz eine recht umfangreich erscheinenden Parkplatzliste auf den Internetseiten der Stadt auf ungeahnte Schwierigkeiten sto├čen. Ich will das Ganze nicht zu sehr ausbreiten, aber fast neunzig Minuten Aufwand f├╝r die Parkplatzssuche, nur um dann doch, wenn auch z├Ąhneknirschend, in einem Parkhaus zu landen, sprechen eine deutliche Sprache. Ich spreche allerdings nicht von belegten Parkpl├Ątzen, sondern nicht existenten oder durch Baustellen nicht benutzbaren. Sorgf├Ąltig aktualisiertes Kartenmaterial auf Ihrem Navigationsger├Ąt ist ebenfalls Pflicht. Passenderweise kann ich damit ebenso den k├╝rzlich ver├Âffentlichten Test des ADAC zur Behindertenfreundlichkeit deutscher Parkh├Ąuser erg├Ąnzen, denn zumindest das Parkhaus “Am Markt” mit immerhin zwei Ebenen und einem recht neuen Personenaufzug hat noch keinen rollstuhlgerechten Parkplatz - mal abgesehen davon, dass die Stellfl├Ąchen f├╝r die heutigen Spritschlucker auch ohne Behinderung zu schmal sind.

Hat man jedoch endlich diese Hindernisse ├╝berwunden, gibt es kaum einen besseren Standort als den Markt. Naben der B├╝rgerkirche hat man es nicht weit zum barock ├╝berladen verzierten “Falkenhaus”., das ├╝brigens eine Verschmelzung von urspr├╝nglich drei Fachwerkh├Ąusern darstellt. Dort befindet sich ├╝brigens neben der Touristinformation auch die Stadtb├╝cherei, die dankenswerterweise nicht nur gut sortiert ist, sondern auch eine rollstuhlgerechte Toilette ha, die sich mit dem Euroschl├╝ssel nutzen l├Ąsst.

marktkirche_falkenhaus

(Marktkirche und Falkenhaus)

Zumindest die Altstadtteile, die man in der offiziellen Stadtf├╝hrung gezeigt bekommt, sind sehr gut mit dem Rollstuhl zu befahren. Wie mir der sehr hilfsbereite Stadtf├╝hrer berichtete, wird die Altstadt nicht nur sukzessive in eine gro├če Fu├čg├Ąngerzone umgewandelt, sondern auch Schritt f├╝r Schritt mit etwas flacheren und reifenfreundlicherem Pflaster ausgestattet.

Da sich in W├╝rzburg auf einem recht engen Raum Kirche an Kirche reiht, sind die Wege eigentlich recht kurz - es sei denn, man m├Âchte auf die Festung Marienberg (dort gibt es auch ein lohnenswertes Museum, welches Gegenstand meines n├Ąchsten Besuches sein wird. Auch die Residenz ist nicht weit von der Altstadt entfernt - der Dom liegt in einer Achse mit der Festung und eben der Residenz, die bei mir bereits Gegenstand fr├╝herer Besuche waren und bei denen sich die Mitnahme einer Begleitperson empfiehlt, weil man sonst nicht alles wird sehen k├Ânnen.

Hier gibt es ein Bild von der Marienfeste in voller Aufl├Âsung,

Sowohl der W├╝rzburger Dom als auch das Neum├╝nster sind ├╝ber einen Seiteneingang barrierefrei und im Falle des Doms sogar mit einem elektrischen T├╝r├Âffners ausgestattet. Passenderweise befinden sich beide Kirchen in unmittelbarer Nachbarschaft. Mir pers├Ânlich gefiel das Neum├╝nster besser, aber das lag wohl daran, dass es ein etwas homogeneres Erscheinungsbild hatte, als der Dom, der durch die heftigen Luftangriffe des 2. Weltkrieges auf die Stadt nahezu vollst├Ąndig zerst├Ârt worden war. Beim Wiederaufbau  des Doms hatte man sich seinerzeit am urspr├╝nglichen schlichten Stil orientiert,, woei man gerade im Altarbereich die zahlreichen erhalten gebliebenen barocken Elemente erhalten hat.
Das Neum├╝nster hat eine besonders gruselige Geschichte. Es soll n├Ąmlich der Ort sein, an dem drei irische Missionare, die sp├Ąter passenderweise heilig gesprochen wurden, darunter der f├╝r andere Kirchen h├Ąufig namensgebende St. Kilian, nach ihrer erfolgreichen Missionierung in Franken erschlagen wurden. Der vorhin bereits erw├Ąhnte Stadtf├╝hrer wusste zu berichten, er habe einige dieser ├ťberreste auch schon zu Gesicht bekommen, die Details spare ich hier lieber aus Wesentlich ├╝berraschender ist die versteckte Zugang zu einem weiteren Kleinod. Begibt man sich n├Ąmlich zum Hintereingang des Neum├╝nsters, befindet sich dahinter ein Durchgang zum so genannten Lusamg├Ąrtchen, Teil enes ehemaligen Kreuzgangs und Ruhest├Ątte des ber├╝hmten Minnes├Ąngers Walter von der Vogelweide, der angeblich im Stift des Neum├╝nsters v├Âllig verarmt seine letzten Lebensjahre verbracht haben soll. Wirklich eine Oase der Ruhe - w├Ąhrend drau├čen das Menschenmeer wogt, bekommt man im G├Ąrtchen so gut wie nichts davon mit und kann statt dessen sogar wieder Vogelgezwitscher vernehmen.

Fazit: Ein lohnenswertes Reiseziel, mit viel Licht (angenehm zu befahren), aber leider eben auch etwas Schatten (Parkpl├Ątze). Ein Podcast zu W├╝rzburg folgt hier.