Meiningen

 

Hat man von der bayerischen Rhön aus die ehemalige innerdeutsche Grenze passiert, so fĂ€llt als nĂ€chste grĂ¶ĂŸere Stadt Meiningen auf, das zu Recht auch als „Theaterstadt“ bezeichnet wird. Geschichtlich gesehen ging es in dieser Stadt sehr turbulent zu. Einstmals per Schenkungsurkunde im Besitz des Bistums WĂŒrzburg (und von diesen immer wieder an das sehr umtriebige Geschlecht der Henneberger verpfĂ€ndet) gehörte sie vom 14. bis ins 16. Jahrhundert hinein endgĂŒltig den Hennebergern. Ihr Wappen – eine schwarze Henne auf gelben Grund – ist auch heute noch neben dem Wappen Frankens und dem der Wettiner an der Stadtkirche zu sehen. Diese ist fĂŒr Rollstuhlfahrer nicht ohne fremde Hilfe zugĂ€nglich (Treppen). Die Innenstadt selbst ist sehr hĂŒbsch. Alte FachwerkhĂ€user wie das Henneberger-Haus kontrastieren mit sehr bunten HĂ€usern der gehobenen BĂŒrgerschicht aus dem 19. Jahrhundert.

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Vermutlich hĂ€ngt dieser Reichtum, der sich in diesen HĂ€usern ausdrĂŒckt, auch mit dem Enkel des Herzogs, Geotg II., zusammen (dieser wurde pikanterweise am Tag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs beigesetzt). Georg II. war ein Theaterliebhaber, der nicht nur lange vergessene klassische StĂŒcke auf die BĂŒhne brachte, sondern auch die Szenenbilder eigenhĂ€ndig entwarf und gerade bei Historiendramen, wie zum Beispiel Schillers „Wallenstein“, beispielsweise Museen befragte, um die KostĂŒme so historisch genau wie möglich anfertigen zu lassen. Der Vorreiter des spĂ€ter so genannten illusionistischen Theaters ging mit seinem Ensemble sogar europaweit auf Tournee, um ein grĂ¶ĂŸeres Publikum zu erreichen, und revolutionierte so das Theaterschaffen insbesondere in Belgien, Frankreich, Großbritannien und Russland. Von den BĂŒhnenbildern aus Pappe haben sich naturgemĂ€ĂŸ nur wenige Teile erhalten, daher ist das kleine Theatermuseum in der Reithalle am Schlossplatz wenig spektakulĂ€r. An bestimmten Tagen gibt es allerdings VorfĂŒhrungen, und der Kassierer am Eingang wird sich sehr gerne bereit zeigen, Ihnen eine PrivatfĂŒhrung zu geben.

Ebenfalls lohnend und eine unbedingte ErgĂ€nzung ist das Museum im benachbarten Schloss Elisabethenburg.  In vielen FĂ€llen sind die RĂ€ume dort noch original eingerichtet. FĂŒr einen musikalisch begeisterten Menschen wie mich ist das Musikzimmer ein absolutes Highlight. Dort kann man nicht nur die Musik hören, die zu jener Zeit am Hofe Mode war.  Der ganze Raum ist voller historischer Instrumente, und wenn man an ein Instrument in der Vitrine ganz nah herantritt, wird es auch in der gespielten Aufnahme besonders hervorgehoben. Darunter sind auch viele Instrumente, die man in heutiger Zeit gar nicht mehr kennt oder bei denen man sich wundert, dass beispielsweise eine Holszither aus dem Bereich des heutigen Kreises Rhön Grabfeld ĂŒber 300 Jahre unversehrt ĂŒberstanden hat, sodass man sie spielbereit herausnehmen könnte. Es gibt ein Kombiticket fĂŒr alle Museen, eingeschlossen auch das Literaturmuseum Baumbachhaus. Es kostet fĂŒr Schwerbehinderte vier Euro, wobei man insbesondere fĂŒr das Museum im Schloss Elisabethenburg durchaus auch bereit wĂ€re, den vollen Preis zu zahlen.

 

FĂŒr Theaterfreunde von der Altstadt aus wohl etwas schwieriger zu erreichen (es geht steil bergauf) ist das heutige Theater, was in seinem neoklassizistischen Stil mit griechisch anmutenden SĂ€ulen schon von außen ein Blickfang ist. Die QualitĂ€t der TheaterauffĂŒhrungen kann sich mit denen des deutschen Nationaltheaters Weimar messen und spielt damit in der obersten Gruppe der Liga einer ohnehin sehr reichen Theaterlandschaft in ThĂŒringen.

 

Einziger Wermutstropfen ist in der Innenstadt, wie so oft, dass viele GeschĂ€fte nur ĂŒber Treppenstufen im Eingangsbereich betreten werden können und dass die neu angelegte Pflasterung am Schlossplatz eine einzige Katastrophe ist und auch bei nicht behinderten Einheimischen auf UnverstĂ€ndnis stĂ¶ĂŸt. Im Vergleich zur nahe gelegenen Stadt Schmalkalden jedoch ist ein Besuch in Meiningen ein erholsamer Spaziergang, der die MĂŒhen lohnt.