Köln

“Mer losse d’r Dom en Kölle” (Wir lassen den Dom in Köln)” - so lautet ein bekanntes Lied der Bläck Föös (Schwarzfüße). Heute als reiner Karnevalsschlager betrachtet, hat das Lied der Kölner Kultband einen sehr ernsten Hintergrund. In den 1970er Jahren wurden Pläne für eine umfassende “Stadtsanierung” publik, bei der viele Häuser nicht mehr als erhaltenswert betrachtet und teilweise schon mit der Entkernung begonnen wurde. Die Furcht gerade unter Studenten vor dem Verlust erschwinglichen Wohnraums führte zu einer augenzwinkernden Umdeutung der Redewendung und eines Appels an die Stadtverwaltung doch bitte “die Kirche im Dorf zu lassen” - oder eben den Dom.

Köln hatte während des zweiten Weltkrieges enorm unter Luftangriffen und Zerstörungen zu leiden, was man auch dem Stadtbild ansieht. Ein dem blinden Fortschrittsglauben zu verdankender Schwachsinn aus der bereits angesprochenen Umgestaltungszeit der 1970er Jahre ist heute jedem Rollstuhlfahrer absolut hinderlich. Seit genau 1970 ist der Dom nämlich von einer Fußgängerplattform umgeben, von der sich alle relevanten Teile der Altstadt und auch das Rheinufer erreichen lassen - sofern man Stufen steigen kann, denn nur für den Zugang zum Dom selbst gibt es über eine Seitengasse eine stufenfreie Umgehung. Die bequemen Wege zur Altstadt oder zur Rheinpromenade bleiben so ohne fremde Hilfe dem Rollstuhlfahrer verschlossen und sind nur über Umwege möglich.

Eine Sache überrascht dabei dennoch positiv. Das berühmte Kölsche Lebensgefühl scheint auf alle Bewohner auszustrahlen, egal ob se eine afrikanische Sprache oder arabisch sprechen (die Domplatte beispielsweise erwies sich als beliebter Treffpunkt für arabischsprachige Menschen). Mein Besuch erfolgte nach der unrühmlichen Silvesternacht 2015/2016, aber ich habe mich zu keiner Zeit unsicher gefühlt, anders als während meiner Studienzeit in Mannheim. Und obwohl Köln ja eine absolute Großstadt ist, wirkte sie auf mich keinesfalls hektisch. Im Gegenteil, die Menschen, denen ich begegnen konnte, transportierten sehr das berühmte kölsche Lebensgefühl und waren von einer Freundlichkeit, wie ich sie in einer Großstadt niemals erwartet hätte. In diesem Zusammenhang möchte ich ein riesiges Dankeschön an die Kölner Verkehrsbetriebe aussprechen. Überraschenderweise konnte man bereits vor den Eingängen in der U-Bahn auf Mitarbeiter treffen, die einen manchmal auch unaufgefordert bis direkt zur U-Bahn begleiten. Ebenfalls ein Super-Service: Ist eine Station nicht barrierefrei, wird das in den Zügen angesagt, nach dem Motto: “Der nächste Halt ist Station xy. Diese ist nicht barrierefrei. Wenn Sie dorthin möchten, steigen Sie jetzt aus.” Das ist sehr nervenschonend, wie ein Negativbeispiel aus Bonn zeigt.

In der Altstadt ist sehr schnell Schluss. Das Pflaster ist sehr grob, so dass man sehr schnell die kleinen Stützräder am Rollstuhl verflucht, die sich sofort in den Ritzen querstellen. Zur Eröffnung der Karnevalssaison kommt man dort aber ohnehin nicht vorwärts, denn  dann wird auf dem Heumarkt gefeiert.

Und wie ist es eigentlich im Dom? Mit einem Wort: Wunderschön, nicht nur wegen des Dreikönigsschreins und der extremen Glasfenster. Im Herbst 2016 war auch nur ein sehr kleiner Teil der Außenfassade des Doms eingerüstet und das Innere komplett uneingeschränkt zugänglich, Der Zugang ist barrierefrei, und die Dominfo mit Domschatzkammer isst über einen Anbau per Aufzug erreichbar.
Eine Besonderheit gibt es im Internet: Der Radiosender des Bistums Köln, das Domradio, bietet auf der Startseite eine “Domcam” mit Angabe von Innen- und Außentemperatur. Wird die Webcam geöffnet, wird als Audio das Domradio übertragen. Dieser Sender hat hier auch eine tolle Sendung über den Kölner Dom gemacht - besser  können Sie nur noch vor Ort durch den Dom geführt werden.