Dresden

Stollen, Silbermannorgel und die Elbe: Wegen ihrer Altstadt wird Dresden auch ÔÇ×Elbflorenz“ genannt, auch wenn der Status des UNESCO-Weltkulturerbes seit dem Bau der umstrittenen Waldschl├Âsschenbr├╝cke wieder aberkannt worden ist.

Das zahlreich vorhandene Kopfsteinpflaster ist ein weitestgehend zu vernachl├Ąssigender Punkt, denn meine Beobachtung an verschiedenen Sehensw├╝rdigkeiten zeigten: Wo ein politischer Wille und (nicht nur durch den Tourismus) reichlich Geld vorhanden ist, findet sich auch ein Weg, denkmalgesch├╝tzte Geb├Ąude auch zu einem sp├Ąteren Zeitpunkt zug├Ąnglich f├╝r Rollst├╝hle zu gestalten. Bei meinem ersten Besuch in Dresden 1997 war beispielsweise die Dresdner Hofkirche nur ├╝ber einige Stufen am Eingang mit fremder Hilfe zu erreichen. Anno 2014 lie├č sich mit Hilfe des Euro-Schl├╝ssels ein mit einer schwarzen Steinverkleidung versteckter Fahrstuhl ├Âffnen, der wiederum in einem eleganten Glasvorbau steckte. Die Hofkirche wiederum enth├Ąlt eine Silbermann-Orgel, die ihren Namen nur teilweise verdient, denn die Orgel wurde zwei Jahre nach dem Tod Silbermanns fertiggestellt.

Ein wichtiger Punkt d├╝rfte die Fortbewegung in der Stadt sein. F├╝r mich ideal war das Dorint-Hotel (sehr ger├Ąumiges Zimmer mit ger├Ąumiger Dusche und einem sehr guten Duschsitz – allerdings ist dummerweise ausgerechnet in der Dusche selbst, anders als in den ├╝brigen Teilen des Zimmers, leider kein Notrufknopf vorhanden) mit direkter Anbindung an die Stra├čenbahnlinie 1, mit der man nur drei Stationen zu fahren braucht, um fast direkt an der 2006 wieder eingeweihten Frauenkirche abgesetzt zu werden. In der Innenstadt bewegt man sich ohnehin am sinnvollsten mit der modernen, komplett barrierefreien Stra├čenbahn fort. Nur an einigen wenigen Haltestellen sollte ein Rollstuhlfahrer angebotene Hilfe annehmen, weil die Ausstiegsschwellen etwas h├Âher sind. Daf├╝r ist die Haltestelle Hofkirche beispielsweise direkt am bereits erw├Ąhnten behindertengerechten Eingang positioniert. Sehr lobend erw├Ąhnen m├Âchte ich in diesem Zusammenhang die Dresdner Verkehrsbetriebe, die auf Anfrage auch einen gedruckten Liniennetzplan und eine kleine Brosch├╝re zum Thema Barrierefreiheit

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(Frauenkirche von innen)

mitschicken. Andere Kommunen verhalten sich in diesem Fall deutlich weniger flexibel.

Ich m├Âchte mich hier nicht allzu sehr mit den Sehensw├╝rdigkeiten als solchen aufhalten (das k├Ânnen andere Seiten besser), sondern einige Schlaglichter herausheben. Eines davon ist die bereits kurz erw├Ąhnte Dresdner Frauenkirche. Politisch interessierten Radioh├Ârern d├╝rfte sie auch  durch die thematisch breit gestreuten Diskussionsrunden ÔÇ×Forum Frauenkirche“ des Deutschlandfunks bekannt sein. Ich hatte das Gl├╝ck, die Kirche au├čerhalb der regul├Ąren Besichtigungszeiten am Abend besuchen zu k├Ânnen, als es nochmals von 20 bis 22 Uhr einen ÔÇ×Abend der Offenen Kirche“ gab, an dem sich die ganze Zeit ├╝ber auch Mitarbeiter der Kirchengemeinde den Fragen interessierter Besucher stellten. Im ├╝brigen f├╝hrt ein Fahrstuhl in die Unterkirche, die  man durchaus mit einer Kapelle inklusive Krypta vergleichen kann.

 

Absolut lohnenswert ist ebenso die Gem├Ąldegalerie Alter Meister im ÔÇ×Zwinger“ (wobei dort der behindertengerechte Zugang etwas versteckt ist und sich erst dann erschlie├čt, wenn man jemanden gefunden hat,der Treppen steigen kann und durch seinen Zutritt ├╝ber den regul├Ąren Eingang dem Personal an den Kassen Bescheid sagen kann – eine Klingel gibt es ungl├╝cklicherweise n├Ąmlich nicht. Die Gem├Ąlde erlauben es durchaus, einen ganzen Tag hier zu verbringen – und sollte man doch eine Pause brauchen, ist ein brauchbares Museumscaf├ę gleich angeschlossen.  Das ber├╝hmte ÔÇ×Gr├╝ne Gew├Âlbe“ kann man sich dagegen im Prinzip schenken, da der Fehler begangen wird, Gleiches im gleichen Raum zusammenzufassen – zum Beispiel im Elfenbeinzimmer, Silberzimmer oder Goldzimmer. Dadurch ist man vollkommen au├čerstande, an den Ausstellungsst├╝cken selbst noch irgendwelche Einzelheiten wahrzunehmen. Da f├Ąllt das Fotografierverbot (wie ├╝brigens auch in allen Museen im Zwinger)  ├╝berhaupt nicht negativ auf.

Jedem Dresden-Besucher, der in einer halbwegs sch├Ânen Wetterperiode anreist, empfehle ich unbedingt eine Schifffahrt auf der Elbe. Mit der Dresdner Dampfschiffahrt kann man neben der obligatorischen Stadtrundfahrt noch eine Fahrt zu den Elbschl├Âssern machen, die bei Schloss Prillwitz (auch der Schlosspark dort ist ├╝brigens sehr empfehlens- und sehenswert), einige Kilometer au├čerhalb von Dresden, wieder zur├╝ckf├Ąhrt und auch das Gebiet umfasst, das man mit der Stadtrundfahrt besichtigt. Man sieht also deutlich mehr f├╝rs Geld vom Glanz vergangener  Zeiten. Riesiges Plus: ÔÇ×Selbstverst├Ąndlich“ gelangt man barrierefrei und ohne technische Tricks wie Treppenlifte oder Hub-Plattformen auf das Oberdeck, und obwohl das Schiff original in den 1920er Jahren gebaut wurde, war genug Platz f├╝r eine rollstuhlgerechte Toilette.

F├Ąhrt man ├╝brigens mit der Stra├čenbahn ├╝ber eine Elbbr├╝cke auf die andere Uferseite,verl├Ąsst man den historischen Stadtkern und erreicht eine nette Fu├čg├Ąngerzone.

H├Âhepunkte dieser Reise, inklusive einem kurzen Schwenk ├╝ber die eben angesprochene Fu├čg├Ąngerzone in der Dresdner Neustadt, finden Sie in unserem Youtube-Video.