Bamberg


Bereits in meinem letzten Beitrag hatte ich mich mit Regensburg in einem UNESCO-Weltkulturerbe aufgehalten. Mit Bamberg folgt eine weitere Stadt, die 1993 Aufnahme in diese prestigeträchtige Liste fand. Wie in Regensburg ist die historische Bausubstanz in einem erstaunlichen Maße erhalten geblieben. Allerdings stellt diese den durchschnittlichen Rollstuhlfahrer vor besondere Herausforderungen. In der Stadt sind nämlich nicht nur die verschiedenen Baustile von der Romanik bis hin zum Barock sichtbar, die Stadt ist außerdem in drei verschiedene Teile  gegliedert, nämlich die Domstadt, die Bürgerstadt und das sogenannte Wirtschaftsviertel. Um alle drei Teile sinnvoll erkunden zu können, sollte man als Rollstuhlfahrer motorisiert
sein oder bei einer leichten Gehbehinderung ein Segway ausleihen. Wenn man nämlich, wie ich, den Fehler begeht, die Besichtigung Bambergs zuerst am Domberg beginnen zu wollen, ist man ohne tatkräftige fremde Hilfe sehr schnell aufgeschmissen und frustriert. Die Straßen in diesem Bereich sind sehr steil und noch dazu sehr abenteuerlich gepflastert, sodass es auch für den Teil der Damenwelt, der High Heels bevorzugt, nahezu lebensgefährlich werden kann. Wenn man jedoch den Domberg nur mit dem Auto anfährt, um den berühmten Dom zu besuchen, und danach ohnehin zu Bürgerstadt zurückkehrt, der kann auch einen direkt an der Rückseite des Doms gelegenen Rollstuhlfahrer-Parkplatz anfahren. Die Rampe in den Dom ist etwas steil, lässt sich jedoch noch von kräftigem Rollstuhlfahrern bewältigen.

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Hat man es erst einmal ins Innere geschafft, so zeigt sich, dass sich der Aufwand mehr als gelohnt hat. Das, was wir heute als Bamberger Dom kennen, ist übrigens der dritte Dombau an dieser Stelle, nachdem die beiden Vorgängerbauten abgebrannt waren. Der Stauferkaiser Friedrich II Barbarossa finanzierte den Neubau, der in einer Rekordbauzeit von nur 22 Jahren entstand. Das Innere des Doms wirkt recht karg, denn auf Wunsch des bayerischen Königs Ludwig I wurden 1826 alle Änderungen in der Innenausstattung seit dem Spätmittelalter wieder rückgängig  gemacht. Der berühmte Bamberger Reiter allerdings war bereits 1235 von einem unbekannten Bildhauer geschaffen worden und
durfte daher an seinem Platz verbleiben. Es ist bis heute nicht geklärt, wer genau mit dieser Figur dargestellt werden sollte. Die Nationalsozialisten sahen im Reiter den Idealtypus des mittelalterlichen König- und Rittertums.
Kaiser Heinrich II und Papst Clemens II. sind im Bamberger Dom begraben. Es beeindruckten außerdem die zum Dom gehörenden Wirtschaftsgebäude (Bamberg war ein bedeutender Bischofssitz) und der Rosengarten, der einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt bietet.

Die Bürgerstadt erschloss sich mir erst bei einem erneuten Besuch Bambergs, dann allerdings sehr rollstuhlfreundlich. Besonders reizvoll ist der Altstadtteil entlang der Regnitz.
Mein persönlicher Favorit ist die Gegend rund ums alte Rathaus. Der gotische Bau wurde im 15. Jahrhundert auf Pfählen mitten in die Regnitz gesetzt, so dass sich von dort ein wundervoller Ausblick auf das "Klein-Venedig" Bambergs bietet. Eine gern genommene, wenn auch etwas überteuerte, Alternative sind Gondelfahrten, die man auch für größere Gesellschaften oder Hochzeitsfeiern buchen kann; diese sind allerdings naturgemäß für Rollstuhlfahrer nicht geeignet.

Es gibt mehrere Brücken über die Regnitz, die am ersten Samstag im Monat Oktober auch als weitere Standfläche für den größten Antiquitätenmarkt im deutschsprachigen Raum genutzt werden. Von Privatpersonen wird inzwischen kaum etwas verkauft, der Markt ist fest in der Hand professioneller Händler, die ihre Waren zu meist überteuerten Preisen verkaufen. Wenn dieser Samstag auch noch, wie 2015, auf den 3. Oktober fällt, ist am Nachmittag leider kaum ein Durchkommen in der Altstadt mehr möglich. Auch konnte ich dadurch nicht ermitteln, wo man als Rollstuhlfahrer ohne Begleitung Essen gehen kann, da sämtliche Plätze lange im Voraus reserviert waren. Anregungen von Mitlesern dieses Artikels sind sehr willkommen. Schreiben Sie mir eine E-Mail oder kontaktieren Sie mich auf der Facebook-Seite.

(verfasst am: 07.02.2016)