Bad Kissingen

 

 


Wenn man außerhalb Bayerns einen Kurort nennt, der in Franken liegt, fällt vielen älteren Leuten häufig Bad Kissingen ein. Klassik-Freunden ist dieser Kurort auch noch als Veranstaltungsort für den berühmten „Kissinger Sommer“ bekannt. Im Jahr 2016 beispielsweise wurde diese Konzertreihe mit einem Auftritt des chinesischen Pianisten Lang Lang beendet. Gerade einmal eine halbe Autostunde von Bad Neustadt an der Saale entfernt bietet diese Stadt alles, was sich ein Rollstuhlfahrer in der Region nur wünschen kann. Da sind natürlich zu allererst die Kuranlagen zu nennen, die zu Zeiten des Deutschen Reiches ihre Blütezeit erlebten. Das Rakoczy-Fest Anfang August erinnert drei Tage lang an den historischen Glanz von anno dazumal. Dann geben sich Größen wie Reichskanzler Otto von Bismarck, Prinzregent Luitpold von Bayern, Ludwig II oder das österreichische Kaiserpaar Sissi und Franz die Klinke in die Hand – natürlich nur als Laiendarsteller. Der Name des Festes geht auf den deutsch-deutschen Krieg zurück, als sich preußische und österreichisch-bayerische Truppen bekämpften und die bayerischen Truppen nach einer Schlacht bei Bad Kissingen 1866 besiegt wurden. In diesem Zusammenhang soll eine kürzlich wieder entdeckte Quelle von österreichischen Truppen nach dem ungarischen Fürst benannt worden sein, der übrigens Bad Kissingen nie gesehen hat.

Unabhängig davon ist Bad Kissingen zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert. Zur Weihnachtszeit wird er besonders stimmungsvoll beleuchtet, und auch sonst verstehen Kur und Stadtverwaltung es meisterlich, Stadt und Park entsprechend der Jahreszeit und Saison zu dekorieren. Das Kurhaus, landläufig auch „Regentenbau“ genannt, verfügt mit dem Max Littmann Saal und dem kleineren Rossini-Saal über gleich zwei Konzertsäle mit herausragender Akustik. Besonders angenehm für Rollstuhlfahrer ist dabei, dass die Plätze für Behinderte und ihre Begleitpersonen nicht im Internet angezeigt werden und somit für Personen mit entsprechendem Bedarf freigehalten werden. Angezeigt werden diese Sitzplätze dann in der Tourist Information vor Ort, die sich ebenfalls im Regentenbau befindet. Diese dient gleichzeitig als einzige Kartenvorverkaufsstelle für Bad Kissingen. Aus eigener Erfahrung besonders lohnenswert ist der fränkische Heimatsabend, der ab März bis Ende Dezember etwa einmal im Monat stattfindet und bei dem die unterschiedlichsten Volksmusikgruppen aus ganz Unterfranken eingeladen werden. Am genausten über das Programm hält die Seite der Arbeitsgemeinschaft Volksmusik in Unterfranken auf dem Laufenden.

Ein weiterer Punkt ist ebenfalls für die Automobilisten vorteilhaft zu erwähnen, nämlich dass Straßensperrungen im Zuge von Großveranstaltungen so kleinräumig wie irgend möglich gehalten werden. So ist es selbst während des schon angesprochenen Rakoczy-Festes möglich, einen guten Parkplatz zu finden, von dem aus sich die Veranstaltungsorte ohne allzu große Laufwege erreichen lassen.

Seit letztem Sommer hat auch der berühmte Rosengarten sein Schmuckstück wieder, nämlich ein Wasserspiel, dass bei entsprechenden Ereignissen mit einer spektakulären Laserschau aufgebohrt werden kann. Wer den Rosengarten entlang flaniert und dem Schotterweg entlang der fränkischen Saale immer weiter folgt, gelangt schließlich zur unteren Saline, an der auch ein winziges Ausflugsschiffchen endet.

Die ehemalige obere Saline wiederum, von der Innenstadt aus gesehen in entgegengesetzter Richtung, beherbergt heute ein Museum, das sich in der Dauerausstellung schwerpunktmäßig dem berühmtesten häufigen Kurgast Otto von Bismarck widmet und in Wechselausstellungen die unterschiedlichsten Themen aufgreift.

Obwohl es in der Innenstadt durchaus auch mal steil bergauf geht, ist im Großen und Ganzen gut zu befahren, da insbesondere im Innenstadtbereich vor wenigen Jahren neu gepflastert wurde. Auch in der Gastronomie hat man als Rollstuhlfahrer recht gute Auswahlmöglichkeiten, die sich allerdings im Winter etwas reduzieren. Im Vergleich zu anderen Orten in der Rhön merkt man auch anhand der Preisgestaltung auf der Karte, dass Bad Kissingen ein viel besuchte Kurort ist. Aber wie sagte mir letzten Sommer ein Kurgast anerkennend: „Sie leben da, wo andere Urlaub machen.“ Recht hat er!

 

 

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