Aachen (veröffentlicht am: 25.10.2015)

 

Spätestens durch den internationalen Karlspreis zu Aachen kennt man die alte Kaiserstadt, in der jedes Jahr Menschen geehrt werden, die sich als Brückenbauer Europas ausgezeichnet haben. Und nicht zuletzt ist Aachen wie keine andere Stadt mit dem Namen Karls des Großen verbunden, nach dessen Tod das Frankenreich in ein westfränkisches Reich (heute Frankreich) und ein ostfränkisches Reich zerfiel. Zum Zeitpunkt meines Besuches lief zudem noch die große Ausstellung über Karl den Großen, die bundesweit große Beachtung fand.

2014-09-11_034

Verlässt man den Dom wieder, kann man quasi zum Alten Rathaus hinüberspucken.

 

Um eines vorwegzunehmen: Die historische Altstadt von Aachen ist nicht besonders groß. Vom Aachener Dom bis zum Rathaus beispielsweise (in letzterem wird der Karlspreis verliehen) sind es wenige Schritte. Wenn man den Angaben des Navis Glauben schenkt,  ist der Altstadtkern auf nicht einmal 1 km Umkreis um den Dom herum konzentriert. Das erleichtert Besuche natürlich ungemein, aber das bedeutet auch, dass man sich eine Übernachtung in Aachen sparen kann, wenn man ohnehin sein Quartier im näheren Umkreis aufgeschlagen hat. Die Entfernung von Bonn nach Aachen beispielsweise beträgt gerade einmal 94 km, was sich hervorragend für einen Tagesausflug eignet.

Auch in den frühen Morgenstunden kann es zur Herausforderung werden, überhaupt einen Parkplatz zu finden. Die wenigen Rollstuhlfahrerplätze sind sehr häufig von grenzgehenden Niederländern oder Belgiern belegt, die keinen Berechtigungsschein an der Windschutzscheibe haben. Als Alternative verbleiben die Parkhäuser, die leidlich in Ordnung sind. Man sollte sich nämlich auch als Rollstuhlfahrer nicht erdreisten, im absoluten Halteverbot stehen bleiben zu wollen, weil laut Aussage eines Bewohners die Polizei in der Innenstadt scharf kontrolliert.

Meine erste Station war natürlich der Dom. Meiner Meinung nach gehört er zu Recht zum Weltkulturerbe, wenngleich ich durch die Umstände meines Besuches etwas enttäuscht war. Das lag allerdings nicht am Dom, sondern eher am Gebaren des Bistums. Es ist selbstverständlich, dass man den Dom zu Gottesdienstzeiten nicht besucht. Es ist auch verständlich, dass man sich während eines Konzertes ruhig verhält. Es ist allerdings nicht verständlich, dass man in der Zeit zwischen dem Ende des Konzertes und einer nicht vorher bekannten Mittagsmeditation bereits eine halbe Stunde vor Beginn dieser Meditation sehr bestimmt und nicht gerade freundlich aus dem Dom herausgetrieben wird. Zudem sind die Absperrungen sehr großräumig, sodass man sich auch im Fall einer Besichtigung eher vorkommt wie ein Schaf in seinem eng umzäunten Pferch. Daher ist es überhaupt nicht verständlich, dass sowohl das Konzert als auch die Mittagsmeditation lediglich am Eingang des Doms angekündigt waren und der Rauswurf bereits eine halbe Stunde vor Beginn der nächsten Veranstaltung erfolgte. Erstens hätte es eine Viertelstunde auch getan, und zweitens habe ich schon wesentlich nettere Methoden erlebt, um Touristen aus Respekt vor Besuchern einer anderen Veranstaltung zum Verlassen eines Gotteshauses aufzufordern. Dies war auch ein Grund, weshalb ich aus Protest einen Teil der Ausstellung über Karl den Großen nicht besuchte. Diese verteilte sich nämlich auf drei Gebäude: das alte Rathaus, das neu eröffnete Centre Charlemagne und die Domschatzkammer. Dreimal dürfen Sie raten, welchen Bereich ich nicht besucht habe. (Nachtrag: Auf meine Mail an das Bistum bezüglich dieses etwas unglücklichen Umstandes hielt man es dort auch nach einem Jahr nicht für nötig, überhaupt zu antworten.)

Ansonsten war die Dauerusstellung durchaus ihr Geld wert. Die im Centre Charlemagne befindliche Dauerausstellung zur Aachener Stadtgeschichte befand sich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch im Aufbau.

Alle drei Sehenswürdigkeiten – der Aachener Dom, das alte Rathaus und natürlich das Centre Charlemagne – sind komplett barrierefrei, nur die Rampe in den Dom ist recht steil und dürfte für Elektrorollstühle zu schmal sein. Die Innenstadt selbst gibt leider nicht viel her. Wenn Sie zur Vorweihnachtszeit anreisen, sollten Sie jedoch unbedingt die Aachener Printen probieren. Wenn Ihnen die originalen Printen zu hart sein sollten, dann halten Sie sich lieber an die sogenannten Weichprinten, die in Geschmack und Festigkeit durchaus den Nürnberger Lebkuchen nahe kommen.

Eine Kuriosität am Rande: Aachen ermöglicht es, innerhalb weniger Sekunden von Deutschland über Holland nach Belgien und von dort wieder zurück nach Deutschland zu gelangen. Das liegt am sogenannten Dreiländerpunkt, einem wunderbaren Aussichtspunkt, von dem aus man einen herrlichen Blick über das gesamte Umland hat. Er liegt in Vaals, einem Grenzort der holländischen Provinz Limburg, von wo aus man gemütlich auf eine der vielen Parkplätze zu dem Aussichtspunkt fahren kann. Diese kosten zwar Geld, dafür hat man allerdings eine Aussichtsplattform aufgebaut, die auch mit einem Aufzug rollstuhlgerecht erreichbar ist. Leider lässt sich diese Aussichtsplattform nicht mehr betreten, wenn die Parkplätze geschlossen sind, und das ist bereits ab 17:00 Uhr der Fall. So gesehen war ich an diesem Tag leider etwas zu spät dran. Lustig daran ist die Situation, drei Länder zu passieren. Wenn man zum Punkt hinauffährt, tut man es von Aachen aus in Richtung Holland. Entschließt man sich danach, nicht stupide den gleichen Weg wieder zurück zu fahren, sondern stattdessen nach dem Dreiländerpunkt weiter zu fahren und den Berg hinunter, findet man sich unversehens in Belgien wieder, bevor man kurze Zeit später wieder für eine kurze Wegstrecke in Holland und danach in Deutschland auftrifft. Für kleine und große Kinder wird am "Drielandenpunkt" ein Vergnügungsprogramm geboten, und man kann sich sogar in einem Labyrinth verirren. Weitere Informationen (auf Holländisch) gibt es hier: http://www.drielandenpunt.nl/