Aachen (veröffentlicht am: 25.10.2015)

 

SpĂ€testens durch den internationalen Karlspreis zu Aachen kennt man die alte Kaiserstadt, in der jedes Jahr Menschen geehrt werden, die sich als BrĂŒckenbauer Europas ausgezeichnet haben. Und nicht zuletzt ist Aachen wie keine andere Stadt mit dem Namen Karls des Großen verbunden, nach dessen Tod das Frankenreich in ein westfrĂ€nkisches Reich (heute Frankreich) und ein ostfrĂ€nkisches Reich zerfiel. Zum Zeitpunkt meines Besuches lief zudem noch die große Ausstellung ĂŒber Karl den Großen, die bundesweit große Beachtung fand.

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VerlĂ€sst man den Dom wieder, kann man quasi zum Alten Rathaus hinĂŒberspucken.

 

Um eines vorwegzunehmen: Die historische Altstadt von Aachen ist nicht besonders groß. Vom Aachener Dom bis zum Rathaus beispielsweise (in letzterem wird der Karlspreis verliehen) sind es wenige Schritte. Wenn man den Angaben des Navis Glauben schenkt,  ist der Altstadtkern auf nicht einmal 1 km Umkreis um den Dom herum konzentriert. Das erleichtert Besuche natĂŒrlich ungemein, aber das bedeutet auch, dass man sich eine Übernachtung in Aachen sparen kann, wenn man ohnehin sein Quartier im nĂ€heren Umkreis aufgeschlagen hat. Die Entfernung von Bonn nach Aachen beispielsweise betrĂ€gt gerade einmal 94 km, was sich hervorragend fĂŒr einen Tagesausflug eignet.

Auch in den frĂŒhen Morgenstunden kann es zur Herausforderung werden, ĂŒberhaupt einen Parkplatz zu finden. Die wenigen RollstuhlfahrerplĂ€tze sind sehr hĂ€ufig von grenzgehenden NiederlĂ€ndern oder Belgiern belegt, die keinen Berechtigungsschein an der Windschutzscheibe haben. Als Alternative verbleiben die ParkhĂ€user, die leidlich in Ordnung sind. Man sollte sich nĂ€mlich auch als Rollstuhlfahrer nicht erdreisten, im absoluten Halteverbot stehen bleiben zu wollen, weil laut Aussage eines Bewohners die Polizei in der Innenstadt scharf kontrolliert.

Meine erste Station war natĂŒrlich der Dom. Meiner Meinung nach gehört er zu Recht zum Weltkulturerbe, wenngleich ich durch die UmstĂ€nde meines Besuches etwas enttĂ€uscht war. Das lag allerdings nicht am Dom, sondern eher am Gebaren des Bistums. Es ist selbstverstĂ€ndlich, dass man den Dom zu Gottesdienstzeiten nicht besucht. Es ist auch verstĂ€ndlich, dass man sich wĂ€hrend eines Konzertes ruhig verhĂ€lt. Es ist allerdings nicht verstĂ€ndlich, dass man in der Zeit zwischen dem Ende des Konzertes und einer nicht vorher bekannten Mittagsmeditation bereits eine halbe Stunde vor Beginn dieser Meditation sehr bestimmt und nicht gerade freundlich aus dem Dom herausgetrieben wird. Zudem sind die Absperrungen sehr großrĂ€umig, sodass man sich auch im Fall einer Besichtigung eher vorkommt wie ein Schaf in seinem eng umzĂ€unten Pferch. Daher ist es ĂŒberhaupt nicht verstĂ€ndlich, dass sowohl das Konzert als auch die Mittagsmeditation lediglich am Eingang des Doms angekĂŒndigt waren und der Rauswurf bereits eine halbe Stunde vor Beginn der nĂ€chsten Veranstaltung erfolgte. Erstens hĂ€tte es eine Viertelstunde auch getan, und zweitens habe ich schon wesentlich nettere Methoden erlebt, um Touristen aus Respekt vor Besuchern einer anderen Veranstaltung zum Verlassen eines Gotteshauses aufzufordern. Dies war auch ein Grund, weshalb ich aus Protest einen Teil der Ausstellung ĂŒber Karl den Großen nicht besuchte. Diese verteilte sich nĂ€mlich auf drei GebĂ€ude: das alte Rathaus, das neu eröffnete Centre Charlemagne und die Domschatzkammer. Dreimal dĂŒrfen Sie raten, welchen Bereich ich nicht besucht habe. (Nachtrag: Auf meine Mail an das Bistum bezĂŒglich dieses etwas unglĂŒcklichen Umstandes hielt man es dort auch nach einem Jahr nicht fĂŒr nötig, ĂŒberhaupt zu antworten.)

Ansonsten war die Dauerusstellung durchaus ihr Geld wert. Die im Centre Charlemagne befindliche Dauerausstellung zur Aachener Stadtgeschichte befand sich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch im Aufbau.

Alle drei SehenswĂŒrdigkeiten – der Aachener Dom, das alte Rathaus und natĂŒrlich das Centre Charlemagne – sind komplett barrierefrei, nur die Rampe in den Dom ist recht steil und dĂŒrfte fĂŒr ElektrorollstĂŒhle zu schmal sein. Die Innenstadt selbst gibt leider nicht viel her. Wenn Sie zur Vorweihnachtszeit anreisen, sollten Sie jedoch unbedingt die Aachener Printen probieren. Wenn Ihnen die originalen Printen zu hart sein sollten, dann halten Sie sich lieber an die sogenannten Weichprinten, die in Geschmack und Festigkeit durchaus den NĂŒrnberger Lebkuchen nahe kommen.

Eine KuriositĂ€t am Rande: Aachen ermöglicht es, innerhalb weniger Sekunden von Deutschland ĂŒber Holland nach Belgien und von dort wieder zurĂŒck nach Deutschland zu gelangen. Das liegt am sogenannten DreilĂ€nderpunkt, einem wunderbaren Aussichtspunkt, von dem aus man einen herrlichen Blick ĂŒber das gesamte Umland hat. Er liegt in Vaals, einem Grenzort der hollĂ€ndischen Provinz Limburg, von wo aus man gemĂŒtlich auf eine der vielen ParkplĂ€tze zu dem Aussichtspunkt fahren kann. Diese kosten zwar Geld, dafĂŒr hat man allerdings eine Aussichtsplattform aufgebaut, die auch mit einem Aufzug rollstuhlgerecht erreichbar ist. Leider lĂ€sst sich diese Aussichtsplattform nicht mehr betreten, wenn die ParkplĂ€tze geschlossen sind, und das ist bereits ab 17:00 Uhr der Fall. So gesehen war ich an diesem Tag leider etwas zu spĂ€t dran. Lustig daran ist die Situation, drei LĂ€nder zu passieren. Wenn man zum Punkt hinauffĂ€hrt, tut man es von Aachen aus in Richtung Holland. Entschließt man sich danach, nicht stupide den gleichen Weg wieder zurĂŒck zu fahren, sondern stattdessen nach dem DreilĂ€nderpunkt weiter zu fahren und den Berg hinunter, findet man sich unversehens in Belgien wieder, bevor man kurze Zeit spĂ€ter wieder fĂŒr eine kurze Wegstrecke in Holland und danach in Deutschland auftrifft. FĂŒr kleine und große Kinder wird am "Drielandenpunkt" ein VergnĂŒgungsprogramm geboten, und man kann sich sogar in einem Labyrinth verirren. Weitere Informationen (auf HollĂ€ndisch) gibt es hier: http://www.drielandenpunt.nl/