Dublin, Republik Irland (2012)

Lange genug hatte ich diesen Bericht geplant, die Seite auf der Homepage angelegt und ihn dann doch immer wieder für aktuellere Berichte oder zugunsten von Youtube-Videos oder der seit 2017 eingeführten Podcast-Länderliste verschoben. Nachdem ich vor fast zwei Jahren schon im Luftpost-Podcast von und mit Daniel Büchele über meinen Kurzaufenthalt in Belfast gesprochen hatte, möchte ich an dieser Stelle endlich die gesamte Reise aufrollen, wobei Belfast natürlich eine eigene Rubrik  hat. Auch wenn es hier eigentlich nur um einen Tagesausflug ging, gab es hier genug Eindrückliches, was es sich zu erzählen lohnt.

Sie führte mich im Juli eine Woche lang nach Dublin, mit einem von dort organisierten Tagesausflug nach Belfast. Ich schicke an dieser Stelle voraus, dass es einer der wenigen Reisen war, in denen ich mit einer Gruppe unterwegs war - eine besondere noch dazu. Etwa 50 Lehramtsreferendare aus der Englisch-Fachschaft des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung Heilbronn machte sich nach erfolgreich abgeschlossenen mündlichen Prüfungen von Stuttgart aus in die Hauptstadt der Republik Irland auf. Der Flieger der Airline Aer Lingus war dank uns und einer Schulklasse mit Ausnahme der Besatzung fest in deutscher Hand und brachte uns über ein wolkenreiches schottisches Hochland und die Nordsee nach Dublin.

 

Besonders praktisch erwies sich für uns, dass es gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite einen Pub gab, der sich an unserem Ankunftsabend als einer der “singing pubs” erwies. In vielen Pubs in der Hauptstadt tritt mindestens einmal in der Woche, eine Folk-Gruppe auf. In manchen Pubs passiert das sogar täglich. Die auftretenden Gruppen werden dabei am Eingang angekündigt. Wir hatten das Glück, dass gleich am Abend unserer Ankunft eine Gruppe in unserem Pub auftrat.

Auch sonst lag das Hostel recht günstig, denn es war nur wenige Straßenzüge von der geschichtsträchtigen O'Connell Street entfernt. Diese Straße gilt als besonders geschichtsträchtig für die Iren. Denn an diesem Postamt fand das letzte größere Gefecht zwischen irischen Nationalisten und britischen Truppen statt, bevor man sich auf eine Teilung der Insel in einem unabhängien Süden und in einen weiter zu Großbritannien gehörenden Norden einigte.

Bleibt doch von diesem zentralen Punkt aus erst einmal die Frage nach dem Fortbewegungsmittel. Als klassischer Tourist bietet sich natürlich erst einmal die klassischen Hop on - Hop off- Touren an. Diese sind in einer Rundfahrt unterwegs, komplett etwa 2 Stunden dauert. Als kleiner Tipp sei gesagt, dass es sich durchaus lohnt, auf die seltenen Busse mit Live Kommentar zu warten denn ansonsten kann man nach gewisser Zeit bei den aufgezeichneten Kommentaren mitsprechen. Natürlich lassen sich auch die Stadtbuslinien nutzen, diese sind jedoch selbst im offiziellen Liniennetzplan nicht immer mit allen Stationen verzeichnet, sodass der Reisende sich in diesem Fall durchaus an einen Einheimischen wenden sollte. Für den durchschnittlichen Touristen reicht jedoch der klassische Stadtrundfahrten-Bus. Von der O'Connell-Street beispielsweise ist innerhalb weniger Minuten St. Stephen's Green (ein großer Stadtpark mit einer Statue von Oscar Wilde) und natürlich das Trinity College. Das berühmte Book of Kells zu sehen kostet allerdings Eintritt, und die Schlange vor der Kasse war so groß, dass es mich und meine beiden Begleiter eher abgeschreckt hat.  Umso mehr hat uns die Weitläufigkeit des Campus und seiner Grünanlagen beeindruckt.

Das nahe gelegene Naturkundemuseum stellte mich vor einige Herausforderungen. Für mich war nämlich nur das Erdgeschoss zu sehen, in die anderen Stockwerke konnte ich nicht gelangen.  Das gleiche Problem erfuhr ich in vielen staatlichen Museen, in denen zwar der Eintritt frei war, aber wegen zurückgegangener Spenden das Geld für einen Aufzug fehlte.  Ich lernte: Das Prinzip freier Bildung wird als sehr hoch erachtet. Auf meine naive Frage, ob man nicht auch einen eher symbolischen Eintritt erheben könne, um Finanzprobleme aufzufangen hieß es, dann wäre ja Bildung nicht mehr für alle frei, da sich ja nicht jeder kostenpflichtige Bildung leisten könne. An unserem letzten Tag für dem Rückflug sollte sich darüber eine heftige Diskussion über Diskriminierung zwischen einem englisch-irischen Ehepaar, mit dem ich Bekanntschaft gemacht hatte, und einem Museumsdirektor entspinnen, die ich sogar etwas beruhigen musste.

Natürlich durfte auch der Bezirk “Temple Bar” nicht fehlen - heute sehr touristisch geprägt, mit einer Bar an der nächsten, früher war es jedoch ein eher schmuddeliges Viertel, das bewusst zum Touristenmagneten aufgemöbelt werden sollte. Jedoch ging 2012 auch an der irischen Hauptstadt die Weltwirtschaftskrise nicht spurlos vorüber.  Nicht nur in Temple Bar, sondern in der gesamten Innenstadt dienten Menschen als wandelnde Werbeschilder, die sich auf diese Weise ihren Lebensunterhalt auf irgend eine Art und Weise zu sichern suchten. Wenige Monate zuvor hatte die Kristallglas- und Porzellanmanufaktur in Waterford im Süden Irlands dichtgemacht, sodass die Arbeitslosigkeit dort auf fast 50 % nach oben geschnellt war.

Bei einer so großen Pubdichte fällt es natürlich schwer, Empfehlungen zu geben. Von einer längeren Tour auf eigene Faust lebhaft im Gedächtnis geblieben unbedingt einen Besuch wert ist ein eigenwilliger Pub mit dem Namen "The Church", der tatsächlich bis in die 1960 er Jahre hinein eine Kirche war. Dort, wo der Namensgeber des Guinness Hochzeit feierte und ein gewisser Georg Friedrich Händel vor der Aufführung seines "Messias" in Dublin den Auftritt probte, wird jetzt tatsächlich das dunkle Starkbier ausgeschenkt und ein "Irish Stew" gegessen. Das "The Church" liegt ungefähr auf halbem Wege von der O'Connell-Street und dem Besucherzentrum von der Jameson Distillery. Das Besucherzentrum ist in genau dem Gebäude untergebracht, in dem die Whiskeybrennerei ihren Anfang nahm. Inzwischen wird außerhalb Dublins produziert. Wenn man auch sehen möchte, wie Whiskey heute produziert wird, dem sei die Teeling Whiskey Distillery empfohlen ( 13-17 Newmarket, Merchants Quay,nähe St. Patrick's Cathedral). Sie öffnete erst im Juni 2015 und damit nach meiner Dublin-Reise ihre Pforten für Besucher. Damit wird erstmals wieder auch in Dublin selbst Whiskey produziert. Dementsprechend dürften ein Besuch und eine Führung dort insgesamt interessanter sein, da man auch den Herstellungsprozess Live beobachten kann. Zum Zeitpunkt meines Besuches war ich im Besucherzentrum der Jameson Distillery, wo es im Vorfeld der  Besucherführung sehr britsch zugeht: In die Schlange für die gewünschte Tour stellen, warten und darauf hoffen, dass die Tour nicht in der Zwischenzeit ihre Höchstteilnehmerzahl erreicht, bevor du endlich dein Ticket kaufen kannst. Ansonsten heißt es noch einmal warten.

Wer sich für die Whiskeyherstellung interessiert, der kann sich die von mir erlebte Führung bei Jameson im Prinzip sparen, denn in meinem Fall wurde im Prinzip all das erklärt, was auch auf den Schautafeln zu sehen war. Von größerem Interesse war das Whiskey-Tasting, bei dem ich feststellte, dass der irische Whiskey aufgrund der dreifachen Destillation bekömmlicher wirkt als die schottische Variante.

Das berühmte Guinness Storehouse bietet neben dem üblichen Schnickschnack nicht nur eine gut gemachte Ausstellung, sondern auch die Möglichkeit, das richtige Zapfen des Guinness selbst zu lernen, denn dies ist eine Wissenschaft für sich. Ebenfalls nicht versäumen sollte man bei einem längeren Aufenthalt den Besuch eines Volkstheaters. Als Warnung sei jedoch gesagt, dass man mit Schulenglisch relativ wenig verstehen wird, denn auch wir angehenden Englischlehrer standen bei Gesprächen oder auch beim Theaterstück vor Verständnisschwierigkeiten. Die öffentlichen Verkehrsmittel entsprechen inzwischen in Bezug auf die Barrierefreiheit westeuropäischen Standards, allerdings sollte man sich bei vielen Bürgersteigen und sogar bei manchen Behinderten-WC keinen Illusionen hingeben. Manche Rollstuhlfahrer-Toilette erwies sich selbst für schlanke Faltrollstühle als zu klein immerhin haben die Busse tatsächlich benutzbare ausführbare Rampen, und der Vorortzug, mit dem man unter anderem auf die Insel Howth fahren kann, ist selbst an den Bahnsteigen komplett schwellenfrei

Auch wenn die Republik Irland in Bezug auf die Barrierefreiheit gegenüber dem Ausbaustand des vereinigten Königreiches etwas zurückliegt, so wird das über die unglaubliche Freundlichkeit und den Einfallsreichtum der Iren mehr als wettgemacht. Auch wenn Probleme des Öfteren mit einem auflockerndem   oder gar witzigen Spruch überspielt zu werden scheinen, so lässt sich jedoch immer unter dieser lockeren Oberfläche das ehrliche und konzentrierte Bemühen spüren, das Problem vollbefriedigend zu lösen.